Wir möchten Schritt für Schritt den Übergang vom nationalen, obligatorischen Wehrdienst für Jungen zu einem freiwilligen, grenzüberschreitenden Sozialdienst für Mädchen und Jungen schaffen. Denn auch das macht den Zauber des Projekts Europas aus.
Erst Frankreich, dann Spanien, Polen, Italien und kürzlich der Kosovo: ein europäisches Land nach dem anderen bricht mit der Tradition des obligatorischen Wehrdienstes. Immer mehr Jugendliche also, die nicht für mehrere Monate eingezogen werden, um sich in der Verteidigung ihres Landes zu üben. In Deutschland wird schon lange diskutiert und das Jahr 2010 könnte in dieser Hinsicht möglicherweise den Wendepunkt in der Geschichte darstellen – eine einmalige Chance, einen freiwilligen und vor allem transnationalen Sozialdienst für Mädchen und Jungen in die Wege zu leiten.
Der Europäische Freiwilligendienst, wie er schon seit 20 Jahren existiert, wird bis heute zwar nur von einigen wenigen geleistet, bietet aber trotzdem die Chance, einmalige Erfahrungen zu sammeln und „Learning by doing“ , das Prinzip hinter dem Europäischen Freiwilligendienst, zu praktizieren. Mit dem Zivildienst haben die europäischen Gesellschaften einen neuen Solidaritäts-Mechanismus in Gang gesetzt, der angesichts des steigenden Anteils hilfsbedürftiger Menschen (Behinderte, Unterstützung für alleinerziehende Elternteile…) in der Bevölkerung, dringend nötig ist. Ein Europäischer Zivildienst könnte diesem Mechanismus noch mehr Schwung verleihen. Egal ob im Sozialwesen, im Umweltsektor oder im Kulturbereich – wir kennen noch lange nicht alle Projekte, die unsere Aufmerksamkeit verdienen würden. Momentan leben in der Europäischen Union 100 Millionen junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren. Es wäre daher angebracht, die Anzahl der Freiwilligendienststipendien bis 2014 von aktuell 4000 auf 10000 zu erhöhen.
Gleichzeitig sollte aber nicht alles auf Ebene der Europäischen Union koordiniert und organisiert werden. Die Idee ist, den Mitgliedsstaaten zu zeigen, auf welche Art und Weise dem Zivildienst, der in vielen Ländern immer noch existiert oder gerade eingeführt wird, eine europäische Dimension verliehen werden kann. Auf Grundlage dieser Motivation und durch eine Erhöhung der Subventionsgelder soll der europäische Zivildienst Lust machen, einen Teil zum europäischen Projekt des Miteinanders beizutragen.
Jugme Singye Wangchuck, ehemals König von Bhutan, führte in seinem Land 1972 das „Bruttonationalglück“ ein, um den Lebensstandard seines Volkes anhand von weniger materialistischen Werten als dem Bruttosozialprodukt messen zu können. Auch Europa könnte Wegbereiter einer neuen Methode sein: der Messung des transnationalen Brutto-Glücks.