Der Schriftsteller und Philosoph Olivier Clerc erklärt uns das Prinzip des Froschs, der nicht merkte, dass er gekocht wurde, folgendermaßen:
Stellen Sie sich einen Kessel vor, gefüllt mit kaltem Wasser, in dem ein Frosch schwimmt. Nun wird unter dem Kessel ein Feuer angezündet, das Wasser wird langsam wärmer. Die Temperatur steigt immer weiter aber der Frosch merkt nichts. Kurz darauf ist er schon lauwarm.
Das findet der Frosch aber sehr angenehm und schwimmt weiter.
Jetzt ist das Wasser sehr warm, der Frosch wird langsam schlapp aber Angst har er nicht. Das Wasser wird immer wärmer, sogar wirklich heiß - für den Frosch ein sehr unangenehmes Gefühl. Aber da er schon so schwach ist, erträgt er es und bleibt, wo er ist. Am Ende ist er gekocht.
Wäre der gleiche Frosch direkt in 50°C heißes Wasser gesetzt worden, wäre er sofort aus dem Kessel gesprungen.
Und die Moral, die uns diese Geschichte lehrt:
Wenn Veränderungen nur langsam vor sich gehen, dann dringen sie nicht in unser Bewusstsein. Folglich reagieren wir nicht, wir leisten keinen Widerstand, lehnen uns nicht gegen sie auf.
Doch es geht auch anders. Im Jahr 1992 appelliert die damals zwölfjährige Severn Suzuki, an die Vereinten Nationen und den Rest der Welt.
"Meine Absichten muss ich nicht verheimlichen…ich bin hier, um im Namen aller zukünftigen Generationen zu sprechen…
Wenn Sie nicht wissen, wie Sie die Schäden reparieren wollen, dann hören Sie bitte mit der Zerstörung auf! Hier sind Sie Vertreter Ihrer nationalen Regierungen, Geschäftsmänner, Journalisten oder Politiker. Aber in der Realität sind auch Sie Mütter und Väter, Schwestern und Brüder, Tanten und Onkel. Und jeder von Ihnen ist jemandes Kind. Ich bin selbst nur ein Kind aber ich weiß trotzdem, dass wir alle Teil einer Familie sind, eine Familie mit fünf Milliarden Familienmitgliedern und 30 Millionen verschiedener „Arten“. Keine Grenze und keine Regierung kann das jemals ändern. Ich bin nur ein Kind, aber ich weiß, dass wir alle in einem Boot sitzen und dass wir deswegen gemeinsam handeln müssen, als eine Welt mit einem gemeinsamen Ziel…
Schon im Kindergarten bekommen wir beigebracht, wie wir uns in dieser Welt verhalten sollen. Die Erwachsenen lehren uns, nicht miteinander zu kämpfen, fleißig zu sein, andere zu respektieren, unser Bett zu machen, unseren Müll zu entsorgen, andere Lebewesen nicht zu verletzen und nicht habgierig zu sein.
Und warum machen Sie dann alles, was Sie uns beibringen, nicht zu tun?
Vergessen Sie nicht, warum Sie an solchen Konferenzen teilnehmen und für wen Sie es tun…wir sind auch Ihre Kinder. Sie entscheiden darüber, in was für einer Welt wir aufwachsen…Mein Vater sagt immer: „Du bist, was du tust und nicht, was du sagst“. Aber was Sie tun, bringt mich nachts zum weinen. Sie Erwachsenen sagen, Sie lieben uns. Jetzt stelle ich Sie vor die Herausforderung: Handeln Sie bitte so, dass sich in Ihren Taten Ihre Worte auch erkennen lassen.“
Wie sieht es heute, 15 Jahre später, aus? Aktuell ist das Thema immer noch, für die Europäische Union sowie für uns im alltäglichen Leben. Das europäische Naturschutzgebietsnetz Natura 2000, der Schutz der letzten Naturparks Europas, eine Direktive zur Wasserqualität, ein Energie- und Klimapaket und zahlreiche Initiativen werden ins Leben gerufen. Doch Europa ist noch weit davon entfernt, seine Ziele auch optimal umzusetzen.
Um wieder auf das Beispiel Olivier Clercs zurückzukommen: Wir sind sicher noch nicht zur Hälfte gekocht aber es ist an der Zeit, zu reagieren…bevor es wirklich zu spät ist.
1 Severn Suzuki, 12 Jahre, sprach schon 1992 vor der UNO, im Namen der ECO (Environmental Children's Organization), einer Gruppe von Kindern im Alter zwischen 12 und 13 Jahren.